Wachstumsmarkt: Medical Fitness

Wachstumsmarkt: Medical Fitness

Die Fitnessbranche hat die Chance, sich zu einem wichtigen Eckpfeiler im Gesundheitssystem zu entwickeln. Das bedeutet aber auch, dass die Anforderungen an das Personal steigen, um mit der Hauptzielgruppe der Best Ager arbeiten zu können.

Wildor Hollmann, Sportmediziner und ehemaliger Professor der Sporthochschule Köln, ist sich sicher: „In Zukunft wird es weniger darauf ankommen, eine Krankheit zu heilen – das wird gewissermaßen eine Selbstverständlichkeit sein – als vielmehr das Auftreten einer Erkrankung zu verhindern.“ Und in der Tat: Es geht ein Wandel durch die deutsche Gesellschaft. Die Kassen sind leer und der Bundesbürger muss zunehmend mehr Eigenverantwortung für seine Gesundheit übernehmen. Die eigentlichen Präventions- und langfristigen Rehabilitationszentren sind die Fitnessclubs. Die Studiobetreiber haben dieses Zukunftsfeld bereits seit geraumer Zeit für sich erschlossen und bieten eine Vielzahl an unterschiedlichen Gesundheitsprogrammen, Präventionskursen und Rehasport an. Die Kursteilnehmer verfolgen jedoch vornehmlich das Ziel, das ihnen zustehende Geld der Krankenkassen in Anspruch zu nehmen, um etwas für die Gesundheit zu tun. Das Ziel des Aufbaus einer dauerhaften Bewegungsaktivität und des Lifetimesports der Kursteilnehmer, welches die Krankenkassen mit derartigen Kursen anstreben, wird nur in den seltensten Fällen verfolgt und letztendlich auch erreicht.

Chance für Medical Fitnesscoachs

In Anbetracht der katastrophalen Prognosen bezüglich der deutschen Gesundheit – zunehmende Fettleibigkeit, mehr Diabetiker, Rückenschmerzen, Burn-out, Bluthochdruck, Krebserkrankungen etc. – werden auch die Deutschen in Zukunft eigene Wege zur Erhaltung bzw. zur Wiederherstellung der Fitness und des Wohlbefindens suchen und dabei wesentlich kritischer mit den Angeboten umgehen, die aktuell auf dem Markt sind, als es heutzutage der Fall ist. Die potenziellen Kunden werden die einzelnen Studios und Clubs stärker miteinander vergleichen, um herauszufinden, wo der beste „Healthpromotion-Club“, das geeignetste „Medical Fitnessstudio“, das an höchster Qualität orientierte Gesundheitszentrum zu finden ist. Entscheidend für langfristige Mitgliedschaften werden ein ganzheitliches Angebotsspektrum und gesundheitlich spezialisiertes Personal sein. An kompletten Bildungsangeboten für Fitnesstrainer zur Spezialisierung auf die Medical-Fitness-Bedürfnisse der Branche mangelt es noch auf dem Markt. Entweder wird man Physio- oder Sporttherapeut oder Fitnesstrainer. Der Mittelweg wurde bislang noch nicht durch konkrete Weiterbildungen definiert.

Qualifikationsprofil eines Medical Fitnesscoachs

Medical Fitnesscoachs finden ihren Einsatz vor allem im Premium-Segment der Fitnessanlagen, da hier die Anzahl der Best Ager höher ist. Die Zielgruppe „50+“ ist gewillt und hat auch den monetären Hintergrund, um derartig betreuungsintensive Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Wie hinlänglich bekannt, nimmt mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit des Auftretens diverser Erkrankungen zu, so dass medizinisches Fitnesstraining für die Best Ager von großer Bedeutung ist. Fitnessstudios werden hier häufig zur „verlängerten Therapiebank“, da die kassenunterstützten Leistungen häufig nicht mehr für ein Austherapieren der Patienten genügen und diese dann im Anschluss in die Fitnessclubs strömen, um möglichst noch die letzten Funktionseinschränkungen zu bewältigen.

Was muss nun ein Fitnesstrainer an Qualifikationen und Kompetenzen vorweisen, um optimal auf die Erfordernisse der Medical Fitness vorbereitet zu sein? Er muss Trainingsfachmann sein, ein fundiertes Wissen über Krankheitsbilder und deren Vorbeugung besitzen, Motivator und Coach für die nicht immer bewegungsfreudigen Kunden sein und in der Durchführung ausgewählter sportphysiotherapeutischer Elemente geschult sein.

Als Trainingsexperte ist es die Aufgabe eines Medical Fitnesscoachs, gesundheitsfördernde Trainingskonzepte (präventiv + rehabilitativ) zu entwickeln, die individuell auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt sind. Zum Nachweis von Trainingsfortschritten und zur optimalen Ausrichtung der Trainingspläne sollten sich medizinische Fitnesstrainer im Bereich der Leistungsdiagnostik fortbilden, um jeglichen Über- und Unterforderungen der Kunden im Training entgegenzutreten. Laktatmessungen, die Durchführung einer Spiroergometrie, Kraft- und Koordinationstestungen sowie Beweglichkeitsmessungen müssen von Fitnesstrainern sicher angewendet und ausgewertet werden können. Grundlagen der Gesundheitsdiagnostik (Blutdruckmessungen, Körperfettanalysen, Haltungsinspektionen) einschließlich der Fähigkeit, die gesammelten Ergebnisse auszuwerten, runden das Profil weiter ab. Des Weiteren muss der Medical Fitnesscoach die Besonderheiten der wichtigsten orthopädischen, traumatologischen und internistischen Krankheitsbilder kennen und wissen, was bei den Erkrankungen im medizinischen Fitnesstraining zu berücksichtigen ist. Welche Trainingsintensitäten und Übungen sind im Krafttraining optimal? Kraftausdauer- oder Maximalkraft- oder Hypertrophietraining? Wie ist das Ausdauertraining zu gestalten? Intervalltraining, Dauermethode? Welche Bedeutung hat ein propriozeptives oder flexibilitätsförderndes Training? Welche Kontraindikationen liegen im Training vor? Ein Basiswissen in der medizinischen Trainingstherapie ist somit für einen Medical Fitnesscoach unabdingbar. Jeder Gesundheitstrainer sollte sich permanent weiterbilden, über jegliche Trends in der Medical Fitness informiert sein und im besten Fall darin geschult sein, diese auch im Fitnessclub anzuwenden. Nur mit diesen Spezialqualifikationen werden sich Medical Fitnesscoachs inhaltlich von anderen Trainern abgrenzen und den Kunden letztendlich ein einmaliges Gesundheitstrainingskonzept anbieten können.

Passive Anwendungen

Um auch die übergewichtigen Kunden zu einem dauerhaften Trainingsprozess zu motivieren, bedarf es grundlegender motivationspsychologischer Fähigkeiten des Trainers in Kombination mit dem entsprechenden Einfühlungsvermögen und professionellen Coaching-Techniken. Die Erstellung von Trainingsplänen als einzige Aufgabe des Medical Fitnesscoachs anzusehen, betrachtet nur eine Facette eines medizinischen Fitnesstrainers. Ein Medical Fitnesscoach trainiert und betreut seine Kunden permanent und ganzheitlich! Da viele Kunden in der Wellness- und Spa-Anlage, einem Hotel, einer Kur-Einrichtung oder beim Physiotherapeuten die Annehmlichkeiten von „passiven Anwendungen“, wie Massagen, kinesiologischen Tapes, Saunagängen usw., kennengelernt haben, wäre ein Medical-Fitness-Konzept, das diesen Teilbereich außen vor lässt, nicht vollständig und würde diesen durchaus lukrativen Ansatz unberücksichtigt lassen. Sportphysiotherapeutische Grundlagen geben dem Medical Fitnesscoach den professionellen Rahmen und lassen ihn zum Fachmann für medizinische Fitness werden.

Foto: Shutterstock


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