Sport und Fitness bei der Bundeswehr

Sport und Fitness bei der Bundeswehr

Trainer in Behörden und Unternehmen Teil 4

Sport und Fitness spielen bei der Bundeswehr eine zentrale Rolle. An einer eigenen Sportschule werden Soldatinnen und Soldaten zu Trainern ausgebildet, damit sie andere Soldaten in den unterschiedlichsten Bereichen coachen können. Körperliche Leistungsfähigkeit ist für Einsätze im In- und Ausland, am Boden, im Wasser oder in der Luft unerlässlich. Darauf werden die Streitkräfte gezielt von Trainern vorbereitet. Wie das aussieht, erfahrt ihr hier.

Für die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte ist die individuelle Einsatzfähigkeit aller Soldaten zwingende Voraussetzung“, betont Oberstleutnant Heiko Wömpener, Chef des Stabes und stellvertretender Kommandeur der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf. Unabhängig davon, ob der Soldat als Infanterist im Heer, als Flugzeugmechaniker bei der Luftwaffe oder als Deckmeister auf einer Fregatte der Marine eingesetzt ist, militärischer Dienst bedeutet, physisch hoch belastet zu sein.

Soldaten müssen dabei nicht nur den grundsätzlichen körperlichen Belastungen ihres Berufs gewachsen sein, sondern auch den speziellen Anforderungen ihres jeweiligen Dienstpostens gerecht werden. Dieser kann auf dem Meer, unter Wasser, in den Bergen, in der Luft oder auf dem Boden sein. Daher hat die Bundeswehr eine eigene Sport- infrastruktur und entsprechende Ausbildungszentren aufgebaut, um professionelle Rahmenbedingungen für das Training ihrer Soldaten zu schaffen.

Trainer sind auch Soldaten

Die Bundeswehr legt viel Wert auf ein zielgerichtetes und an den militärischen Anforderungen ausgerichtetes Training. Dafür braucht es Trainer, die der Bund aus den eigenen Reihen rekrutiert und ausbildet. Einer davon ist Hauptfeldwebel Mike Henschke. Der 29-Jährige betreut als Übungsleiter andere Soldaten im Bereich Breitensport. „Wir trainieren Volleyball und andere Mannschaftssportarten. Sofern es möglich ist, auch Schwimmen“, erzählt er. Hauptgefreite Cindy Markert ist beim Panzergrenadierbataillon 391 stationiert.

Die 27-Jährige wird seit Juni 2015 in Nebenfunktion als Trainerin bei der Bundeswehr im Rahmen des Dienstsports eingesetzt. Angefangen hatte alles in einem Fitnessstudio. Die gelernte Sport- und Fitnesskauffrau sammelte dort zunächst erste Berufserfahrung: „In dem Studio habe ich Rehakurse, Step, Aerobic, Zumbakurse und Trainingsbetreuung durchgeführt. Außerdem habe ich Trainingspläne sowohl für Rehapatienten als auch für körperlich gesunde und trainierte Kunden erstellt“, erinnert sich Cindy Markert. Dann wechselte sie zur Bundeswehr, wo sie ihr Wissen und ihre Lizenzen durch einen Übungsleiterlehrgang auffrischen konnte. Als dann Kursleiter gesucht wurden, ergriff sie die Chance. Zweimal in der Woche ist die junge Frau nun als Trainerin für den Dienstsport in ihrer Einheit zuständig, gibt Kurse in Volleyball, Handball und Hindernisparcours und bereitet auf das Deutsche Sportabzeichen vor.

Dienstsport ist für jeden Soldaten Pflicht

Dienstsport (mindestens vier Unterrichtseinheiten à 45 Minuten pro Woche) ist für alle Soldaten Pflicht. Zivilbeschäftigte können auf freiwilliger Basis mit trainieren, wenn ihre Dienststellen es ermöglichen.
An fast allen Standorten der Bundeswehr in Deutschland gibt es Fitnessräume mit einer evaluierten Gerätekonfiguration, Freihanteln und Ausdauertrainingsgeräten.

Je nach Größe und personellem Umfang verfügen die Locations über einen Sportplatz mit Laufbahn, Sporthallen, Kleinspielfelder inklusive Beachvolleyballanlagen und vereinzelt über eine eigene Schwimmhalle. Es gibt Umkleidemöglichkeiten, Nassbereiche und Materialräume. Für Auslandseinsätze hat die Bundeswehr spezielle Fitnessräume und Gerätesätze konzipiert, die bei Bedarf möglichst zeitnah von Deutschland aus dorthin gebracht werden. Eine Reihe an Auslandsdienststellen ist aber auch von der Sportinfrastruktur des Gastlandes abhängig.

 

4 Trainer in Behörden und Unternehmen Teil 4 Sport & Fitness bei der Bundeswehr

Auswahlverfahren bei den Spezialkräften der Bundeswehr: Ein Soldat überwindet die Hindernisbahn.
Fotos: ©Bundeswehr, Martin Stollberg, ©Sportschule der Bundeswehr, FMZ, Hubert Kemper

Die Fitness wird regelmäßig gecheckt

Der Fitnessstand der Soldaten wird regelmäßig überprüft. Einmal im Jahr werden in den einzelnen Dienststellen und Verbänden Leistungsabnahmen durchgeführt. Alle Soldatinnen und Soldaten müssen dabei folgende Mindestforderungen erfüllen: Basis-Fitness-Test (bundeswehreigener Test zur Überprüfung militärisch relevanter sportmotorischer Fähigkeiten), Kleiderschwimmen, Marsch mit Gepäck, Ablegen des Deutschen Sportabzeichens.

Die körperliche Leistungsfähigkeit von Soldaten wird über drei Stufen entwickelt: Basisfitness (Kraft, Ausdauer, Koordination), Soldatengrundfitness und Funktionsfitness. Man unterscheidet die eher grundlagen- und fähigkeitsorientiert ausgerichtete „Allgemeine Sportausbildung“ sowie das „Militärische Fitnesstraining“. Bei der „Militärischen Fitness“ geht es um spezifische militärische Anforderungen, wie etwa das Überwinden schwieriger Hindernisse in unwegsamem Gelände, das entsprechend trainiert wird. Die Trainerausbildungen der Bundeswehr sind daher entsprechend unterteilt.

 

1 Trainer in Behörden und Unternehmen Teil 4 Sport & Fitness bei der Bundeswehr

Fotos: ©Bundeswehr, Martin Stollberg, ©Sportschule der Bundeswehr, FMZ, Hubert Kemper

Trainerausbildung an der Sportschule

Dreh- und Angelpunkt für die Trainerausbildung bei der Bundeswehr ist die Sportschule in Warendorf (mit einer Außenstelle in Sonthofen). Hier werden pro Jahr ca. 2.000 Offiziere und Unteroffiziere zu „Übungsleitern der Bundeswehr“ sowie ca. 1.000 Soldaten aufbauend zu Fachsportleitern (z.B. Fachsportleiter Schwimmen/Rettungsschwimmen, Fachsportleiter Kondition und Fitness, Fachsportleiter Skitouren u.v.m.) und Trainern im Bereich „Militärische Fitness“ ausgebildet.

Hauptfeldwebel Mike Henschke ist seit 2012 bei der Bundeswehr. Seit 2015 hat er den Übungsleiterschein. Der sportliche junge Mann, der in früheren Jahren in Berlin als Artist und Trainer sowie ausgebildeter Rettungsschwimmer gearbeitet hat, begründet seine Motivation zum Übungsleiterlehrgang so: „Da ich selbst viel Spaß beim Ausbilden und Vermitteln habe, dies jedoch ohne Trainerschein nicht weiter ausführen durfte, habe ich mich entschlossen, den Trainerschein zu erwerben.“ Nach absolviertem Basis-Fitness-Test, einer Auffrischung in Erste Hilfe und dem Erwerb des Deutschen Sportabzeichens konnte er dann am vierwöchigen Kurs teilnehmen.

Dieser Basiskurs umfasst neben sporttheoretischen, sportmedizinischen und methodisch-didaktischen Inhalten vor allen Dingen umfangreiche praktische Anteile aus allen großen Spielsportarten, dem Schwimmen, der Leichtathletik, aber auch Trendsportarten und vieles mehr.

Offiziersanwärter der Luftwaffe und Marine werden im Rahmen von sog. Laufbahnlehrgängen an den jeweiligen Offiziersschulen automatisch zu Übungsleitern ausgebildet. Zusätzlich haben sie die Möglichkeit, sich zum Fachsportleiter an der Sportschule fortzubilden.

Sportwissenschaftlicher Austausch

In sportwissenschaftlicher Hinsicht steht die Sportschule der Bundeswehr mit der Universität der Bundeswehr in München sowie mit dem Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Koblenz, Laborabteilung IV – Wehrmedizinische Ergonomie und Leistungsphysiologie, in engem Kontakt.

Federführend wird der Bereich der körperlichen Leistungsfähigkeit (KLF) durch das „Referat Sport Bw“ (Kurzform; ausführlich: Referat Sport/KLF/CISM/Spitzensport) im Kommando der Streitkräftebasis erarbeitet bzw. weiterentwickelt. Die Organisation und die Durchführung der Sportstunden und des militärischen Fitnesstrainings liegen in der Verantwortung der jeweiligen Dienststellenleiter und Kommandeure. Unterstützt von nebenamtlich eingesetzten Sportoffizieren und regional zuständigen hauptamtlichen Sportlehrern, geben sie die genauen Ziele und Inhalte des Trainings vor. Soldaten der Fallschirmjägertruppe müssen zum Beispiel andere konditionelle Fähigkeiten und motorische Fertigkeiten üben als Minentaucher der Marine oder Piloten der Luftwaffe.

 

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Beim Military Fitness Cup in Warendorf treten Soldaten im sportlichen Wettkampf gegeneinander anFotos: ©Bundeswehr, Martin Stollberg, ©Sportschule der Bundeswehr, FMZ, Hubert Kemper.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Sportausbilder der Bundeswehr werden unter bestimmten Voraussetzungen auch im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) bzw. der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) eingesetzt. Hier gibt es – auf freiwilliger Basis – Sportangebote für alle Beschäftigten im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verteidigung. Cindy Markert bietet in diesem Zusammenhang Unterricht in Rückenfitness, funktionalem Training sowie Tanz- und Fitness-Workouts an.

„In den BGM-Kursen macht es besonders Spaß zu sehen, wie motiviert die Teilnehmer sind und dass sie jede Woche gerne wiederkommen und deutliche Fortschritte machen. Beim Dienstsport ist es herausfordernd, alle Soldaten so zu animieren, dass es ihnen auch Spaß macht“ . Trainerkollege Mike Henschke ergänzt: „Die große Herausforderung besteht darin, die Teilnehmer jedes Mal aufs Neue zu motivieren.“

Weitere Einsatzfelder für Fitnessexperten

Neben dem Basissport und der „Military Fitness“ gibt es beim Bund noch weitere Einsatzfelder für Fitnessexperten, wie beispielsweise den Versehrten- und Spitzensport. Die Bundeswehr beschäftigt auch Physiotherapeuten hauptsächlich in der Rehabilitation und Therapie im Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr, in Bundeswehrkrankenhäusern sowie größeren regionalen Sanitätseinrichtungen.

Das „Referat Sport Bw“ prüft aktuell Möglichkeiten, die Durchführung des Trainings in den Dienststellen anteilig durch Trainer in Hauptfunktion sicherstellen zu können. Wer sportaffin ist und keine Standortwechsel scheut, für den könnte ein Job beim Bund genau das Richtige sein. Das bundeswehreigene Stellenportal (www.bundeswehrkarriere.de/ihr-weg-zu-uns) informiert darüber.

Diesen Artikel findest du im Trainer-Magazin 5/16, geschrieben von Christiane Weseloh

 


Muskeltraining für Trainer Teil 1 und 2


 


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