Pilates: Neue Trends aus London & NY

Pilates: Neue Trends aus London & NY

Pilates- und Yogalehrer waren die Ersten, die sich mit kleinen Studios selbstständig machten und im Grunde den derzeitigen Boutique-Fitness-Trend begründeten. Heute schießen kleine und feine Minisportclubs für verschiedenste Special-Interest-Gruppen wie Pilze aus dem Boden. Das verändert auch den Pilatesmarkt. Die Anbieter rüsten sich, um gegen die neuen Boutique-Fitness-Studios im Wettbewerb zu bestehen. Ein Überblick über neue Konzepte.

Viele Veränderungen auf dem Markt für Pilates kommen aus internationalen Metropolen wie New York, Los Angeles oder London. Besonders in den großen urbanen Ballungszentren haben sich Inhaber von Pilatesstudios neu ausgerichtet. Alycea Ungaro ist in New York ein Pilatesurgestein. Sie hat gerade in Soho eine zweite Filiale von „Real Pilates“ eröffnet. In New York ist nicht nur ihr Studio, sondern auch die Zahl der Pilatesstudios insgesamt gewachsen. In einem Artikel im „New York Magazine“ wurde bereits von einer drohenden „Pilatesapokalypse“ gesprochen. Das sorgte in New Yorks Pilates- und Fitnessszene für Wirbel. Die Behauptung, Pilates sei nicht mehr „in“, hat auch Alycea Ungaro aufgebracht. Ihr Kommentar: „If that‘s not hot anymore, we don‘t care. The people who want to do Pilates are always going to find Pilates – and well be around for them.“

 

In den Metropolen der USA ist der Markt gesättigt

Nicht nur „Real Pilates“ hat in New York expandiert. Auch New Yorks Pilatesikone Karen Lord hat ihr kleines Studio geschlossen und in Brooklyn ein neues größeres Studio eröffnet. Und Erika Bloom hat ein drittes Pilatesstudio eröffnet. Demnach ist der Pilatesmarkt in New York von einer Apokalypse weit entfernt. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass die Nachfrage nach Pilates langsam sinkt.

Das Unternehmen „ClassPass“ bietet monatliche Mitgliedschaften an, mit denen man in 8.000 Fitnessstudios in den USA trainieren kann. Laut „ClassPass“ bieten allein 20 Prozent der mitwirkenden Studios Pilates an. Das Angebot ist also groß. Selbst „24-hour Fitness“ hat mit Pop Pilates jetzt ein eigenes Pilateskonzept am Markt etabliert. Bezogen auf den Boom im Bereich Boutique Fitness, ist auch in New York noch keine Trendumkehr auszumachen. Im Allgemeinen wachsen Pilatesstudios selbst in den USA noch. „Pure Barre“ in den USA hatte 2012 noch 100 Studios, jetzt sind es mehr als 300. Allerdings ist der Markt in New York und Los Angeles gesättigt.

Das Marktforschungsunternehmen IBISWorld hat ermittelt, dass sich die Anzahl der Menschen, die Pilateskurse besuchten, schon zwischen 2007 und 2011 um zwei Prozent pro Jahr reduziert hatte. Die Gründe dafür sehen Instruktoren und Marktexperten bei verschiedenen Faktoren. Zum einen haben Pilatesstudios durch ihren Erfolg expandiert; dieser Erfolg hat Nachahmer auf den Plan gerufen. Zusätzlich ist der Markt mit neuen Nischenanbietern überschwemmt, die sich gegenseitig die Kunden wegnehmen. Der Konkurrenzkampf steigt.

 

Konkurrenz belebt das Geschäft

Piloxing Barre heißt ein neues Fitnessprogramm, bei dem Elemente aus dem klassischen Ballett mit Standing Pilates, Boxbewegungen und Cardiosequenzen kombiniert werden

Piloxing Barre heißt ein neues Fitnessprogramm, bei dem Elemente aus dem klassischen Ballett mit Standing Pilates, Boxbewegungen und Cardiosequenzen kombiniert werden

In New York haben es Pilatesstudios noch nicht ganz geschafft, aus dem Boutique-Fitness-Boom einen Nutzen zu ziehen. Das Interesse an der Methode scheint etwas abgeschwächt und Trends wie Barre, Functional Training, Treadmill Classes oder CrossFit ziehen mehr Publikum an. In Deutschland ist der Markt noch nicht so stark mit Spezialanbietern überschwemmt. Aber auch hierzulande nimmt die Zahl der Boutique-Fitness-Studios stetig zu.

Die Vorsitzende des Deutschen Pilates Verbandes e.V., Dörte Fehling, geht davon aus, dass Pilates in Deutschland noch Wachstumspotenzial hat. „Aus meiner Sicht ist der Pilatesmarkt insbesondere in Deutschland immer noch ein Wachstumsmarkt, denn nach und nach wird die Methode immer bekannter. Besonders Studios, die sich speziell auf das Pilatestraining konzentrieren, haben durch ihre hohe Qualität einen großen Stellenwert und können sich gegenüber den Boutique Studios, die Pilates als Trend mit aufnehmen, gut behaupten.“

Pilatesstudios in Deutschland können vom amerikanischen Markt lernen und von dem Trend Boutique Fitness profitieren. In London, New York und Los Angeles stellen sich Anbieter mit neuen, modernen Studios oder einer Ergänzung des Angebotes neu auf. Die einen setzen weiterhin gezielt nur auf Pilates, andere ändern ihre Strategie und nehmen besonders Barre Workout und Functional Training in ihr Repertoire auf.

 

Pilates und Functional Training

Im „Physique 57“ in New York wird Pilates mit dem Balletttraining an der Stange kombiniert. Das Studio vermarktet seine Kurse gekonnt über Instagram und Facebook

Im „Physique 57“ in New York wird Pilates mit dem Balletttraining an der Stange kombiniert. Das Studio vermarktet seine Kurse gekonnt über Instagram und Facebook

In dem Pilatesstudio „Chaise23“ in New York kombiniert die ehemalige Ballerina Rachel Piskin Pilatesübungen und Balletttraining an der Stange mit Functional Training an elastischen Seilen, die in Paaren von der Decke hängen. Ballett Bungee heißt ihr Workout. Die elastischen Seile werden an Griffen gehalten, um Zug-, Druck- und kleine Sprungbewegungen auszuführen. Auch die 2012 von Jeanette Simon gegründeten „Flex Studios“ in New York setzen auf Pilates und Functional Training.

Der Kurs FLEX90 geht z.B. über 90 Minuten und kombiniert Pilates am Reformer mit Balletttraining an der Stange und TRX Suspension Training. Die Kombination von Functional Training und Pilates verbreitet sich auch in Deutschland. Elisabeth Stüber bietet in Hamburg und Christiane Wolff in Köln Sling-Pilates an. In dieselbe Richtung gehen Konzepte wie TRX Pilates oder 4D PRO Pilates. Auch hier werden Pilatesübungen an einem Seilsystem ausgeführt. Ursprünglich wurde Pilates vorwiegend von Tänzern genutzt. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass heute besonders Barre Konzepte mit Pilates kombiniert werden.

 

Barre Konzepte: Ballett und Pilates

Barre Workouts sind im Aufwind. Xtend Barre ist mittlerweile auch in Deutschland vertreten

Barre Workouts sind im Aufwind. Xtend Barre ist mittlerweile auch in Deutschland vertreten

In London und den USA boomen Angebote, die beim Training Ballettübungen einbinden. Die Idee ist allerdings nicht neu. Ihren Ursprung hat sie in der Übungsmethode der Tänzerin Lotte Berk. Sie hatte schon in den späten 1940er-Jahren Ballettübungen an der Stange mit Haltungsübungen und Physiotherapie kombiniert. Verschiedenste Konzepte, wie z.B. barre3 oder Xtend Barre, lehnen sich an diese Methode an und binden zusätzlich Pilates ein.

Aus Los Angeles kommt „Pop Physique“. Es entstand eigentlich als eine Art Kunstprojekt und diente zuerst gar nicht als Geschäftsmodell. Das Unternehmen wurde von Jennifer Williams, einer ehemaligen Berufsballetttänzerin und Pilateslehrerin, gemeinsam mit ihrem Mann Deric entwickelt. In New York kombinieren immer mehr Boutique-Fitness-Studios Pilates mit dem Balletttraining an der Stange. Neben „Pop Physique“ gehören „bootybarre“ und „Physique 57“ dazu. Alle Studios vermarkten nicht nur ihre Kurse gekonnt über Instagram und Facebook, sie vertreiben auch eigene Pilatesbälle, Ballettstangen, Socken und Outfits.

Auch das aus Florida stammende Konzept Xtend Barre verbindet Ballett, Tanz und Pilates und hat jetzt eine Dependance in Düsseldorf. In ihrem Studio „Pilateszeit“ bietet Cindy Vandevyver nach den Sommerferien 2017 auch Ausbildungen für Trainer an. Sie war für einige Wochen nach London geflogen und hatte dort bei Rockel Williamson (International Director Xtend Barre) ihre Ausbildung gemacht. In München bietet der Sunyard Pilates Club neben klassischem Pilates das Barre Workout an. Die amerikanischen Studios setzten dabei in der Außenwirkung gezielt auf Barre und nicht mehr auf Pilates. Das ist in Deutschland noch nicht so, aber auch hier sind Barre Workouts start im Aufwind.

 

PHIIT: Pilates + HIIT

In London hat sich das kleine Studio „PHIIT“ einen Namen gemacht. Das gleichnamige 45-minütige Training kombiniert Pilates mit hochintensivem Intervalltraining

Immer mehr Konzepte werden miteinander verwoben. Auch skurril anmutende Kombinationen. HIIT kennen die meisten schon. Aber wie steht‘s mit PHIIT? In London hat sich das kleine Studio „PHIIT“ einen Namen gemacht. Das gleichnamige 45-minütige Training kombiniert Pilates mit hochintensivem Intervalltraining. Dabei kommen Ballettstangen, Pilatesbälle, Suspension Training, Kettlebells und der MOTR Reformer zum Einsatz.

Ursprung der Idee war, dass Pilates zwar die Rumpfmuskulatur trainiert, aber kein schweißtreibendes Cardiotraining zur Fettverbrennung ermöglicht. Mit der Kombination von HIIT und Pilates soll genau das geändert werden. Dabei ist das Training nicht ganz so intensiv wie bei einem klassischen HIIT. Im Wechsel wird immer eine Pilatesübung mit einem Cardiointervall verbunden. Jedes Intervall dauert ca. 30 Sekunden. Dabei werden sechs verschiedene Pilatesübungen mit sechs Cardiointervallen verknüpft, die jeweils zweimal wiederholt werden. Kombiniert werden zum Beispiel Übungen wie die Pilates Bridge mit Split Jumping Jacks, Rear Leg Lifts mit Jump Squats oder Flutterkicks mit Push-ups. Im Anschluss folgen ein Cool-down und Dehnübungen.

Der Spaß ist teuer: 125 Pfund, also über 147 Euro müssen Teilnehmer für eine 5er-Karte auf den Tisch legen. Dafür ist die Teilnehmerzahl auf acht Personen begrenzt und das Studio stellt Wasser sowie Handtücher zur Verfügung. Das Studio ist sehr modern und familiär. Allerdings auch klein. Der Umkleidebereich ist winzig, deshalb kommen die Teilnehmer schon in Sportkleidung. Das Konzept richtet sich hauptsächlich an Geschäftsleute, die wenig Zeit haben.

Eingesetzt wird ein MOTR Reformer, der sich von den klassischen Reformern unterscheidet. Er besteht nicht aus einem Holzrahmen, sondern aus einer Schaumstoffrolle. Das Gerät ist leicht und kompakt, so kann es mit wenigen Handgriffen aufgestellt und wieder auseinandergenommen werden.

 

Boxen, Pilates plus Ballett

Piloxing Barre heißt ein neues Fitnessprogramm, bei dem Elemente aus dem klassischen Ballett mit Standing Pilates, Boxbewegungen und Cardiosequenzen kombiniert werden

Piloxing Barre heißt ein neues Fitnessprogramm, bei dem Elemente aus dem klassischen Ballett mit Standing Pilates, Boxbewegungen und Cardiosequenzen kombiniert werden

Piloxing, also eine Mischung aus Pilates und Boxen, kennen einige ja schon. Es scheint widersprüchlich, wenn schnelle Boxbewegungen mit ästhetischen und feinen Pilatesübungen verwoben werden. Das Pilateskonzept in Boxhandschuhen wurde jetzt ebenfalls mit dem Balletttraining an der Stange erweitert. Piloxing Barre heißt das neue Fitnessprogramm. Elemente aus dem klassischen Ballett werden mit Standing Pilates, Boxbewegungen und Cardiosequenzen kombiniert.

Ungewöhnlich ist auch das aus Hollywood stammende Hot Pilates. Ähnlich wie beim Bikram Yoga liegt die Raumtemperatur hier bei 35 bis 38 ºC. In 60 heißen Minuten wird ein klassisches Mattentraining durchgeführt. Eine weitere Kursvariante ist Pilates Booty, eine Stunde, in der sich ausschließlich um das Training des Gesäßes geht.

 

Flying Pilates

Sonja Ehrlich hat Flying Pilates entwickelt. Klassische Mattenübungen werden dabei in einem 3,70 Meter langen und 2,80 Meter breiten, von der Decke hängenden Tuch ausgeführt

Sonja Ehrlich hat Flying Pilates entwickelt. Klassische Mattenübungen werden dabei in einem 3,70 Meter langen und 2,80 Meter breiten, von der Decke hängenden Tuch ausgeführt

In Hamburg hat sich Sonja Ehrlich auf Pilates in luftigen Höhen verlegt. Schon 2012 hat sie Flying Pilates entwickelt. Dabei werden neue und bekannte Pilatesübungen in einem 3,70 Meter langen und 2,80 Meter breiten, von der Decke hängenden Tuch ausgeführt. Die Idee kam ihr während eines Aerial-Yoga-Kurses, den sie bei einer befreundeten Trainerin besuchte.

Sie übertrug bestimmte Mattenübungen auf das Tuch und hat jetzt im Hamburger Karoviertel ein eigenes Studio, in dem sie diesen neuen Fitnesstrend anbietet und Trainer ausbildet. Das Training sieht nicht schwer aus, ist aber anspruchsvoll. Es wird in kleinen Gruppen mit maximal acht Teilnehmern trainiert. Über 150 Übungen hat Sonja Ehrlich in den vergangenen Jahren entwickelt. Zahlreiche Elemente basieren auf dem regulären und klassischen Pilates – auch die Dauer der Übungen. Jeder hält eine Übung so lang, wie es ihm guttut.

Den vollständigen Artikel findest du im Trainer-Magazin 2/17, geschrieben von Rita Hoogestraat.

Interessante Links zum Thema:
www.pilateszeit.de
www.flying-pilates.de
www.barre-concept.de
www.piloxing.com
www.myhotpilates.com
www.phiit.co.uk
www.physique57.com
www.flexstudios.com
www.4dpro.de
www.trx-training.de

 


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