„Hands-on“

„Hands-on“

Das ultimative Tool im PT

Stefan Liebezeit erklärt, wie deine PT-Kunden durch die konsequente Anwendung von „Handson“ ihre Trainingsziele wesentlich effizienter erreichen können und wie du dieses Instrument zur erfolgreichen Kundenbindung einsetzen kannst.

Sicherlich kennst du folgende Situation: Ein Trainer erklärt und zeigt seinem Kunden eine Übung. Danach führt der Kunde sie aus, der Trainer korrigiert eventuelle Fehler bzw. zeigt die Übungen von Neuem. Zusätzlich zählt der Trainer vielleicht noch die Wiederholungen oder motiviert den Kunden mit Worten. Was unterscheidet dieses Vorgehen von einer klassischen Geräteeinweisung? Nichts! Denn was komplett fehlt, ist eine taktile Hilfestellung durch „Hands-on“. Ein richtig durchgeführtes „Hands-on“ ist der USP (Unique Selling Proposition, Alleinstellungsmerkmal) für Personal Trainer.

Taktiles Cueing

„Hands-on“ zählt zu dem taktilen Cueing im Training. Es kommt dabei zu einem direkten Körperkontakt zwischen Kunden und Trainer, wobei ein mechanischer Reiz auf die Haut und das angrenzende Gewebe des Kunden ausgeübt wird. Dieser wird durch die im Gewebe befindlichen Mechanorezeptoren (z.B. Druckrezeptoren) an das zentrale Nervensystem weitergeleitet und schließlich entsprechend verarbeitet. Der direkte physische Kontakt bietet dir als Trainer folgende Vorteile gegenüber verbalen bzw. visuellen Cues:

  • Du kannst feststellen, ob und wann ein Muskel während der Bewegung kontrahiert.
  • Du spürst, wie intensiv ein Muskel kontrahiert.

Umsetzung kontrollieren

Die Kontrolle der Umsetzung ist besonders wichtig für die Praxis. Ich erlebe immer wieder, dass Kollegen im PT eine Anweisung geben wie „Spann den Po an!“ – dann aber keine Kontrolle der Umsetzung erfolgt. Das Argument ist dann meist: „Ich sehe doch, dass mein Kunde den Po anspannt!“ Grundsätzlich ist diese Beobachtung (visuelles Feedback) nicht falsch. Jedoch ist es so unmöglich festzustellen, wann und wie stark die entsprechenden Muskeln kontrahieren. Auch ob der Muskel zur richtigen Zeit und über die gesamte Bewegung unter Spannung ist, lässt sich so kaum feststellen.

Exakte Führung des Kunden

Auch die Möglichkeit, deinen Kunden exakt „führen“ zu können, ist ein weiterer Vorteil. Damit ist gemeint, dass du deinen Klienten durch entsprechenden Druck oder Zug in genau die Position bringst, in die du ihn haben möchtest. Oft höre ich von Trainern Anweisungen wie: „Geh mit dem Fuß noch etwas vor!“ oder „Nimm den Arm ein Stück höher!“ – Aber was ist denn „etwas“ oder „ein Stück“? Diese Aussagen sind ungenau und daher oft nicht zielführend. In diesem Fall wäre ein „Hands-on“ oder die Kombination aus verbaler Anweisung und taktiler Technik die bessere Lösung.

Vertrauen und Nähe vermitteln

Wenn du einen Menschen berührst, löst dies unter anderem die Ausschüttung des Hormons Oxytocin aus. Dies bewirkt u.a. eine Verminderung von Ängsten und die Stärkung des Immunsystems. Zudem hat Oxytocin eine antidepressive Wirkung. Da wir in einer Zeit leben, in der körperlicher Kontakt immer seltener wird, ist es umso wichtiger, Menschen bewusst zu berühren. Richtig angewandt, kann „Hands-on“ so wichtige Signale wie Vertrauen und Nähe vermitteln und die Zusammenarbeit zwischen Klient und PT intensivieren.

Der richtige Einsatz von „Hands-on“

Was bedeutet aber „richtiges“ oder „optimales“ „Handson“? Das lässt sich mit den „drei R“ beschreiben: Wähle zunächst das richtige „Hands-on“ aus. Platziere beispielsweise bei einem Ausfallschritt mehrere Finger auf der Vorderseite des vorderen Beins. Beachte, dass du bei so einer großen Muskelgruppe eine große Fläche abdecken (durch gespreizte Finger) und weder zu viel noch zu wenig Druck ausüben solltest. Entscheidend ist zudem der Zeitpunkt: Es bringt nichts, den Kunden vor oder nach der Bewegung zu berühren; dies muss während der Bewegung erfolgen. Der Kunde sollte möglichst sehen, wenn sich deine Hand Richtung Zielmuskulatur bewegt. Falls nicht, solltest du dies ankündigen. Das ist gerade bei Neukunden sehr wichtig, um Vertrauen aufzubauen und Berührungsängste abzubauen. Es ist sinnvoll, beide Hände einzusetzen. So kannst du zum Beispiel bei einer Plank mit der einen Hand die Rumpfspannung kontrollieren und mit der anderen Hand die Hüftstellung. „Hands-on“ bedeutet aber nicht nur zu kontrollieren oder zu korrigieren: Du kannst damit auch Widerstände zu erzeugen oder reduzieren, indem du beispielsweise bei einem Liegestütz die konzentrische Phase durch Druck mit der Hand schwerer oder durch unterstützenden Zug leichter gestaltest. Bei einem richtigen Einsatz zählt „Hands-on“ zum Goldstandard der Techniken im Personal Training. Wenn du diese Technik mit den entsprechenden fachlichen und sozialen Kompetenzen und Leidenschaft einsetzt, spüren deine Kunden den Mehrwert deiner PT-Dienstleistung gegenüber anderen Trainingsangeboten deutlich. So werden Neukunden zu Kunden, Kunden zu Stammkunden und Stammkunden zu Multiplikatoren für dein Business.

NO-GOS BEIM EINSATZ VON „HANDS-ON“

  • Bestimmte Zonen wie Oberschenkelinnenseite, großflächig Po, zentraler Bauch- und Brustbereich (vor allem bei Frauen)
  • Hektisches bzw. zu schnelles und kurzes „Hands-on“
  • Übermäßig starker Druck
  • Schmutzige und/oder ungepflegte Hände des PT

Stefan Liebezeit | Der Diplom-Sportlehrer trainiert als Premium Personal Trainer in München Profifußballer und Top-Manager. Er ist Gründer und Geschäftsführer der MUNICH PERSONAL TRAINING LOUNGE und als Head of Education für Transataltinc Fitness tätig. Sein neuestes Projekt ist die „MPTL GROW”. www.munich-pt-lounge.de

Foto: Stefan Liebezeit

 


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