Fitnesstrends 2017

Fitnesstrends 2017

Das Ende der Vermessung?

Das ständige Messen von Schritten, Herzfrequenz, Geschwindigkeit und verbrauchten Kalorien erfährt eine Gegenbewegung: Das Training darf jetzt auch einfach nur mal Spaß machen. Fitnesstracker stehen immer noch hoch im Kurs. Aber es regt sich etwas: Junge Leute in New York, London und Sydney haben langsam die Nase voll davon, ständig vermessen zu werden. Sie wollen einfach mal sinnbefreit Sport machen, nur weil es Spaß macht und nicht, um Kalorien zu verbrennen, irgendwelchen Leistungs- und Schönheitsansprüchen zu genügen oder sich von Trackern vorschreiben zu lassen, wie lange sie noch auf dem Crosstrainer zu stehen haben.

Der Spaß am Training kommt bei dieser Art der ständigen Kontrolle und Selbstoptimierung einfach zu kurz. Das war auch der Grund, warum sich Shannon Dooley in Sydney auf Oldschool-Aerobic verlegt hat. Sie startete mit einem Pop-up, bot klassisches 1980er-Jahre-Aerobic an und das schlug ein wie eine Bombe.

 

Oldschool-Aerobic

Das klassische Aerobic ist wieder da. In Sydney hat Shannon Dooley sich mit ihrem Unternehmen Retrosweat dem Oldschool-Aerobic verschrieben. Ihr Programm hat eingeschlagen wie eine Bombe

Das klassische Aerobic ist wieder da. In Sydney hat Shannon Dooley sich mit ihrem Unternehmen Retrosweat dem Oldschool-Aerobic verschrieben. Ihr Programm hat eingeschlagen wie eine Bombe

Ihr Unternehmen „Retrosweat“ bietet klassisches Aerobic als Low- oder High-Impact-Kurse an – sogar eine eigene Kollektion für die dazugehörigen Outfits vertreibt sie über das Internet. Bei Shannon Dooley in Sydney sind Stirnband und Stulpen sowie extravagante Outfits ein Muss. Hier wird die Musik der 1980er-Jahre gespielt und jeder darf die schrillsten Aerobicanzüge tragen, ohne schief angesehen zu werden. In den Kursen wird viel gelacht und der Spaßfaktor steht im Vordergrund.

Über Instagram hat sich der Hype rasant verbreitet. Nicht nur in Sydney, sondern auch in London und New York wird wieder auf der Stelle gejoggt. Wer meint, dass dieser Hype nicht nach Deutschland schwappt, der irrt. Im Sunyard Pilates Club (SYPC) in München gibt es das „Retro Workout“ schon. Angeboten werden die Kurse mit dem klassischen Kursaufbau und entsprechenden Übungen wie dem charakteristischen Marschieren oder Joggen auf der Stelle, dem V-Step und den Knee Lifts.

 

Bungee Dance: fliegen wie Lara Croft

Der neuste Trend heißt Bungee Dance und kommt aus Bangkok. Entwickelt wurde das Konzept von dem Profitänzer Sivavut Mathong

Der neuste Trend heißt Bungee Dance und kommt aus Bangkok. Entwickelt wurde das Konzept von dem Profitänzer Sivavut Mathong

Ein weiterer Trend, der unglaublich viel Spaß machen soll, kommt diesmal nicht aus dem englischsprachigen Raum, sondern aus Thailand. In dem Tanzstudio „Stories To Tales Theatre“ in Bangkok wird Bungee Dance angeboten. Entwickelt wurde das Konzept von dem Profitänzer Sivavut Mathong. Der Kurs hat einen regelrechten Bungee-Sturm ausgelöst. Mittlerweile bietet Sivavut Mathong in Bangkok ein Training für Instruktoren an. Grundlage für den Kurs sind Bungee Belts, also Seile aus dem Bungee Jumping, die mit einem Geschirr um die Hüfte befestigt werden. Sind die Gurte angelegt, kann man an dem Seil durch die Luft fliegen wie Lara Croft. Das spielerische und viel Spaß verheißende Training verbreitet sich über Instagram wie ein Lauffeuer.

Was so einfach aussieht, ist von der Koordination her jedoch recht anspruchsvoll. Zuerst muss eingeübt werden, wie man sich richtig vom Boden abstößt und sicher wieder landet. Und es kostet auch einige Überwindung, sich einfach nach vorn fallen zu lassen und darauf zu vertrauen, dass das Seil einen Zusammenstoß zwischen der eigenen Nase und dem Boden verhindert. Neben dem Bungee Dance wird Bungee Vertical angeboten. In diesem Kurs können die Teilnehmer wie Spiderman vertikal die Wände hochlaufen.

 

Flying Pilates

Flying Pilates Hamburg

Sonja Ehrlich hat Flying Pilates entwickelt. Klassische Mattenübungen werden dabei in einem 3,70 Meter langen und 2,80 Meter breiten ausgeführt.
Foto: Flying Pilates Hamburg

Fliegen steht hoch im Kurs. Auch im Pilates verlegt man sich jetzt in luftige Höhen. Beim Flying Pilates werden neue und bekannte Pilatesübungen in einem 3,70 Meter langen und 2,80 Meter breiten, von der Decke herunterschwebenden Tuch ausgeführt. Entwickelt wurde das Konzept von Sonja Ehrlich. Die Idee war ihr während eines Aerial-Yoga-Kurses gekommen, den sie bei einer befreundeten Trainerin besucht hatte. Sie übertrug bestimmte Mattenübungen auf das Tuch und hat jetzt im Hamburger Karoviertel ein eigenes Studio, in dem sie diesen neuen Fitnesstrend anbietet und Trainer ausbildet.

In dem Pilatesstudio „Chaise23“ in New York kombiniert die ehemalige Ballerina Rachel Piskin Pilatesübungen und Balletttraining an der Stange mit Functional Training an elastischen Seilen, die in Paaren von der Decke hängen. Ballett Bungee heißt ihr Workout. Die elastischen Seile werden allerdings nicht am Körper befestigt, sondern an Griffen gehalten, um Zug- und Druckbewegungen auszuführen. „Grand Plies“ und „Arabes-que“ werden mithilfe der elastischen Seile zum Kinderspiel.

 

Ballett kombiniert mit Pilates

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Barre Workouts sind im Aufwind. Xtend Barre ist mittlerweile auch in Deutschland vertreten

Auch New Yorks Boutique Fitnessstudios kombinieren Pilates mit einem Balletttraining an der Stange. Dazu gehören „Pop Physique“, „bootybarre“ und „Phy-sique 57“. Alle Studios vermarkten nicht nur ihre Kurse gekonnt über Instagram und Facebock, sie vertreiben auch eigene Pilatesbälle, Ballettstangen, Socken und Outfits. Das „Physique 57“ ist spezialisiert auf Barre Workout. Jetzt kombinieren die Trainer dort das Balletttraining mit klassischem Pilates auf der Matte. Durch eine Kombination von isometrischem Krafttraining, Konditions- und Intervall-training aus dem Tanz, Übungen zur Haltung und Streckung des Körpers sowie Pilates sollen die Muskeln schnell trainiert und gestreckt werden. Barre boomt: Das „Physique 57“ hat mittlerweile 100 Beschäftigte in neun Studios. Auch das aus Florida stammende Konzept „Xtend Barre“ verbindet Ballett, Tanz und Pilates und hat jetzt eine Dependance in Düsseldorf. Dort werden nach den Sommerferien 2017 auch Ausbildungen für Trainer angeboten. Konzepte wie „barre concept“ und „barre3“ kombinieren Balletttraining und Pilates zusätzlich mit Übungen aus dem Yoga.

Auch in Deutschland bieten langsam, aber sicher immer mehr Pilatesstudios Barre-Konzepte an. „barre concept“ hat mittlerweile verschiedene Ausbildungsstandorte in Deutschland, unter anderem in München, Frankfurt und Köln, sowie einen Standort in der Schweiz. Nach den Erfahrungen im englischsprachigen Ausland wird sich dieser Trend sicherlich auch in Deutschland weiter ausbreiten. Pilatesstudios könnten sich durch diese Konzepte zunehmend etablieren. Immer mehr Konzepte werden miteinander verwoben. HIIT-Training kennen die meisten ja schon. Aber wie steht‘s mit PHIIT? In London hat sich das Boutique-Fitnessstudio „PHIIT“ einen Namen gemacht. Ihr Kursangebot PHIIT kombiniert Pilates mit hochintensivem Intervalltraining. Bei dem Training kommen Ballettstangen, Pilatesbälle, Suspension Training, Kettlebells und der MOTR Reformer zum Einsatz.

 

Der Run auf die Laufbänder

Im Mile High Run Club in New York sind „Treadmill Classes“ der Renner

Im Mile High Run Club in New York sind „Treadmill Classes“ der Renner

Auch die Trends aus dem Jahr 2016 bleiben aktuell. Die Workouts sind weiterhin kurz und knackig, intensiv, funktionell sowie alltagstauglich. Es wird an der frischen Luft und in kleinen Teams mit Personal Trainern trainiert. Personal Trainer spezialisieren sich dabei immer weiter, wie z.B. in New York auf Läufer. Dort bieten Studios wie der „Mile High Run Club“, „TheRun“ oder „Orangetheo-ry Fitness“ Treadmill Classes an. Groupfitness auf Laufbändern ist selbst in den USA noch neu, aber der Geheimtipp bei den Trends schlechthin. Bei „Orangetheory Fitness“ findet das 60-minütige Training nicht nur auf dem Laufband statt; es wird durch Krafttraining mit Hanteln und mit TRX-Suspension Training sowie Cardiotraining an Rudergeräten ergänzt. Während des gesamten Trainings wird die Herzfrequenz der Teilnehmer überwacht, um eine optimale Fettverbrennung zu erreichen.

 

Functional Training bleibt
Functional Training bleibt auch im Jahr 2017 auf der Hitliste ganz oben, und zwar nicht nur auf der Gerätefläche, sondern besonders in Kombination mit Konzepten aus dem Bereich Groupfitness wie Barre Workout, Pilates oder Treadmill Classes. Im Kommen sind zudem Angebote wie „MovNat“ oder „Animal Flow“. Bei „MovNat“ geht es nicht mehr nur um Bewegungsmuster aus dem Alltag, sondern um möglichst ursprüngliche und natürliche Bewegungen, die von Kindern, Babys und Tieren (insbesondere Affen) abgeschaut werden. Barfuß zu trainieren gehört genauso dazu wie Liegestütze, Rollen, das Heben von Baumstämmen, Klimmzüge an Ästen, das Klettern in Bäumen und Sprints.

„Animal Flow“ basiert auf Bewegungen, die von Tieren in freier Wildbahn abgeschaut wurden. Zusätzlich spielen die Disziplinen Parkour und Breakdance eine Rolle. Sogar eine kleine Portion Yoga, z.B. Übungen wie die „Kobra“, gehört dazu. Die Übungen sind im ersten Moment gewöhnungsbedürftig. Es sieht kurios aus, wenn Männer und Frauen im Park wie Affen an den Bäumen hängen oder wie Echsen über die Wiese kriechen. Das Programm ist anspruchsvoll und basiert auf dem Training mit dem eigenen Körpergewicht sowie bodennahen Bewegungen im Vierfüßlerstand.

 

von Rita Hoogestraat

Weitere Infos unter:
www.flying-pilates.de
www.physique57.com
www.pilateszeit.de
www.barre-concept.de
www.the-run.com
www.milehighrunclub.com
www.orangetheoryfitness.com
www.animalflow.com
www.movnat.com

 

 


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