Wege aus der Depression
Sport als Therapieform bei Jugendlichen
Laut internationalen Studien ist bei etwa drei Prozent der Jugendlichen eine Depression feststellbar; den meisten Selbstmorden liegt eine Depression zugrunde. Mittlerweile gilt der Suizid bei Heranwachsenden als zweithäufigste Todesursache. Sport bietet einen wichtigen Lösungsansatz, um Depressionen effektiv vorzubeugen.
Etwa 15 Prozent der Schüler leiden unter Ängsten und 9 bis 14 Prozent zeigen körperliche Symptome, die oft durch Angst- und Stresszustände verursacht werden. Manche Ängste sind von krankheitswertigem Ausmaß (vor allem soziale Ängste) und beginnen bereits im Jugendalter. Teenager schämen sich häufig, über ihre persönlichen Probleme zu reden, denn das gilt als „uncool“. Stress in der Schule oder am Lehrplatz, geringes Selbstvertrauen und Konflikte innerhalb der Familie sind oft Auslöser dafür, dass Jugendliche in Depressionen oder depressionsähnliche Stimmungen verfallen. Betroffene wenden sich eher nicht an die vorhandenen Beratungsstellen, sondern offenbaren sich, wenn überhaupt, Vertrauenspersonen wie zum Beispiel Lehrern. Häufiger greifen Jugendliche zu Alkohol und Drogen, um ihren Kummer zu ertränken, anstatt Hilfe zu verlangen.
Teufelskreis des mangelnden Selbstbewusstseins
Soziale Ängste treten im Jugendalter häufig dann auf, wenn die typischen Entwicklungsaufgaben in diesem Lebensabschnitt nicht ausreichend bewältigt werden:
- Ablösung vom Elternhaus in Form von mehr Selbstständigkeit
- Eintritt in die Berufswelt
- Entwicklung einer eigenen Identität
- Integration in Cliquen Gleichaltriger mit alterstypischen Aktivitäten
- Kontaktfähigkeit gegenüber dem anderen Geschlecht
- Umgang mit den Veränderungen in der körperlichen Entwicklung
Selbstbewusstsein ist nicht angeboren, sondern wird im Laufe eines Lebens durch positives oder negatives Feedback erworben und konditioniert. Viele Kinder und Jugendliche haben in der Schule und im Beruf ein zu geringes Selbstbewusstsein, was aber erst dann zum Problem wird, wenn es ihren Alltag bestimmt und ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Die Betroffenen geraten in einen wahren Teufelskreis, denn sie sind gehemmt und trauen sich immer weniger zu. Auf der Suche nach einem verbindlichen Maßstab für das eigene Handeln entwickelt sich eine erhöhte Empfindsamkeit für kritische Reaktionen von Seiten der Umwelt. Die eigenen Einstellungen und Verhaltensweisen werden selbstkritisch mit den Auffassungen der Alterskollegen verglichen. Anderssein und Andershandeln machen Angst. Selbstständigkeit, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit sind Entwicklungsziele, die für die Pubertät wichtig sind, in diesem Zeitraum jedoch oft nicht ausreichend verwirklicht werden können. Soziale Ängste entstehen aus dem Fehlen oder der mangelhaften Ausprägung dieser Aspekte. Aufgrund des oft noch unzureichenden Selbstwertgefühls sind viele Jugendliche gefährdet, ihr Selbstbewusstsein übermäßig auf bestimmten Leistungsaspekten und Statussymbolen aufzubauen: gute Noten, ein attraktives Äußeres, körperliche Kraft, Kleidung mit bestimmten Markennamen, Besitz technischer Güter. Vorübergehende soziale Ängste sind in der Kindheit und Jugend relativ häufig; sie beginnen meist zwischen dem 13. und 20. Lebensjahr. Bei Kindern und Jugend Jugendlichen zeigen sich soziale Ängste meistens in Form von Schul- und Prüfungsangst, aber auch in der Furcht, von anderen Kindern ausgelacht und abgelehnt zu werden, wenn diese als Gruppe und damit als bestimmende Mehrheit erlebt werden.
Gefahr Überbelastung
Aufgrund des chronischen Schulstresses und der Pubertät sind Jugendliche ganz besonders für Depressionen gefährdet. Durch den starken Leistungsdruck in der Schule und die hohen Erwartungen der Eltern werden die Jugendlichen an den Rand ihrer Belastbarkeit getrieben. Häufig diktieren die Eltern sogar die Freizeitgestaltung. Die Jugendlichen können den Anforderungen nicht gerecht werden und haben keinen Ausgleich zum Stress, das heißt, sie können sich nicht erholen.
Prävention durch Sport und Bewegungstherapie
Bewegung und Sport können einen schützenden (präventiven) Effekt auf die Entwicklung und den Verlauf depressiver Erkrankungen haben. Ähnliche Ergebnisse sind auch aus der Erwachsenenpsychiatrie bekannt, wo Bewegungstherapie in vielen psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken deshalb einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Es gibt verschiedene Erklärungsansätze, weshalb sich Sport bei Depressionen positiv auswirkt. Wahrscheinlich vertreiben verschiedene Faktoren die Schwermut. Physiologen führen den po positiven Effekt unter anderem auf eine erhöhte Produktion von sogenannten Katecholaminen zurück. Bei Depressionspatienten kommen diese Neurotransmitter im Stoffwechsel in zu geringer Konzentration vor. Der Mangel wird für die Entstehung von Depressionen mitverantwortlich gemacht. Wissenschaftlich belegt ist auch, dass Ausdauersport die Ausschüttung von opiatähnlichen Endorphinen bewirken kann, die als Stimmungsaufheller wirken. Auch in puncto Rückfallrate schneiden die Sporttreibenden gut ab. In einer Nachfolgeuntersuchung sechs Monate später berichteten deutlich weniger Teilnehmer aus der Sportgruppe von einer Wiederkehr der Symptome.
Die Ausschüttung von Endorphinen
Leistungssportler kennen eine zusätzliche Wirkung des Sports: Die Stimmung wird angehoben. Dies wird mit der Ausschüttung von Endorphinen erklärt – körperlichen Botenstoffen, die dem Morphium ähneln und glücklich machen. Es ist kein Wunder, dass Endorphine, die beim Sport ausgeschüttet werden, gegen eine Depression helfen können. Viele Ärzte empfehlen den Erkrankten, sich sportlich zu betätigen, da dies eine positive Wirkung auf den Verlauf der Krankheit haben kann. In vielen Kliniken ist sportliche Aktivität ein fester Bestandteil von Therapien gegen Depressionen und wird auch bei der Stressprävention häufig eingesetzt.



