Beweglichkeit im Leistungssport

Beweglichkeit im Leistungssport

Profis bauen auf Mobility-Training

Fit, dynamisch und beweglich zu sein, liegt gerade im Trend. Das Beweglichkeitstraining hat in den letzten Jahren spürbar Aufwind bekommen, nachdem es zuvor sehr stiefmütterlich behandelt worden war – gerade auch im Leistungssport. Wolf Harwath zeigt Übungen, mit denen Sportler beweglicher und damit leistungsfähiger werden.

Als Jürgen Klinsmann 2004 deutscher Fußballbundestrainer wurde, gab es einen Umschwung im Fußballleistungssport: Das Thema „Stabilität“ wurde plötzlich großgeschrieben. Zudem gewann Deutschland mit Mark Verstegen einen der weltweit innovativsten Experten auf dem Gebiet der Leistungsoptimierung im Sport, der die Nationalmannschaft auf die Fußballweltmeisterschaften 2006 und 2010 vorbereitete. Stabilisations- und Krafttraining gehörte fortan in den Trainingsplan eines Fußballers. Doch auch bei diesen Ansätzen spielte Beweglichkeit nur eine untergeordnete Rolle.

Es tut sich was im Leistungssport

Inzwischen ist eine Veränderung erkennbar und die Zusammenarbeit von Beweglichkeitsprofis mit unterschiedlichsten Leistungs- und Profisportlern wird immer häufiger. Neben Fußballvereinen wie dem VfB Stuttgart oder dem VfL Wolfsburg gehören auch die Olympiagoldgewinner im Zweier- und Vierer-Bob Francesco Friedrich und Thorsten Margis zu jenen, die Beweglichkeitstraining in ihr Training integriert haben. Ebenso kommen Geräte aus dem Beweglichkeitsparcours regelmäßig bei den Gewichthebern Matthäus Hoffmann (einstiger deutscher Juniorenmeister) und Nico Müller (amtierender Europameister im Zweikampf und Stoßen) zum Einsatz, die von Ex-Europaund Weltmeister Oliver Caruso trainiert werden. Das Beweglichkeitstraining macht für Athleten jeglicher Art Sinn, denn jede Sportart bringt gewisse Einseitigkeiten mit sich. So entwickeln Sportler häufig sportarttypische Verkürzungen, die wiederum zu spezifischen Beschwerden sowie klassischen Verletzungen führen können.

Fußballer brauchen Beweglichkeit

Fußballer beispielsweise haben durch intensives sprintlastiges Training extrem viel Spannung in Beinen, Becken und Rumpf, was wiederum zu Reizungen der Patellasehne oder zum Patellaspitzensyndrom führen kann. Ebenso sind Leistenprobleme (weiche Leiste), Entzündungen im Bereich des Schambeins sowie starke Rückenschmerzen keine Seltenheit. Physiotherapie und Massagen kommen hier häufig zum Einsatz. Diese bringen jedoch meist nur kurz Linderung und sind nicht nachhaltig. Beweglichkeitstraining als Ergänzung kann hingegen langfristig Veränderungen in den Strukturen und Bewegungsmustern bewirken. Beweglichkeitstraining ist somit in drei Bereichen des Sports sinnvoll: in der Prävention, da ein geschmeidiger Muskel weniger anfällig als ein verspannter ist, in der Rehabilitation, um den Sportler wieder fit zu bekommen, und schließlich in der Leistungssteigerung, da optimierte Muskelketten leistungsfähiger sind.

Bobfahrer: erfolgreich durch Beweglichkeit

Bobfahrer sind extrem starke und austrainierte Athleten mit unglaublichen Kraft- und Sprintwerten. Trotz der stark ausgeprägten Muskulatur und Athletik bekommen sie aufgrund der Trainingsumstände oft Schmerzen in Nacken und Rücken. Gerade im Sommer, wenn auf unebenen Bahnen trainiert wird, wirken sehr starke Vibrationen auf die Fahrer. Unter den daraus resultierenden Schmerzen leiden natürlich die Trainingsqualität und das Trainingspensum. So setzen die Trainer der Bobfahrer schon länger auf Beweglichkeitstraining, um diesen Spannungen entgegenzuwirken. Dazu nutzen die Athleten ein speziell für ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Allroundgerät, das sie überall hinbegleitet. Seitdem haben Francesco Friedrich und Thorsten Margis deutlich weniger Ausfälle durch Schmerzen und können häufiger und härter trainieren.

Starke Männer, schwere Gewichte – geschmeidige Muskulatur

Um Gewichtheben auf einem hohen Niveau zu betreiben, ist eine gute Beweglichkeit unabdingbar. Deshalb sollte diese im Training eines Gewichthebers schon immer eine große Rolle spielen. Denn ein Gewichtheber benötigt eine perfekte Beweglichkeit im Sprunggelenk (tiefe Hocke) und in der Hüfte (explosive Hüftstreckung) sowie einen mobilen Schultergürtel (Hantel in eine perfekte Position über dem Kopf bringen). Dennoch ist es nicht immer ganz einfach, bei dem immensen Trainingspensum gerade in der Wettkampfvorbereitung (oft mehr als 100 Tonnen die Woche) beweglich zu bleiben. Ein gutes Beispiel dafür ist Matthäus Hofman, der trotz seines ausgeprägten Muskelkorsetts (kann über 200 kg über Kopf stoßen) mehrere Bandscheibenvorfälle hatte. Das Training an den Geräten für Beweglichkeits- und Faszientraining macht es für die Sportler deutlich leichter, ihre Beweglichkeit konsequent und fokussiert zu trainieren. Deshalb entschied sein Trainer Oliver Caruso (Weltmeister 1998, 2002, Olympiabronze 1996), ein Beweglichkeitskonzept in sein Leistungszentrum in Schwarzach (Baden-Württemberg) zu integrieren. Die aktuellen Ergebnisse seiner Athleten lassen erahnen, dass er mit dieser Entscheidung absolut richtig lag.

Konsequenzen für den Studioalltag

Beweglichkeit ist für absolut jedes Mitglied wichtig. So können auch junge Menschen, die eigentlich wegen sportlicher Ziele das Fitnessstudio besuchen, Probleme durch das Training vermeiden, leistungsfähiger werden oder eben bereits bestehende Probleme sowie Beschwerden in den Griff bekommen. Jedes Mitglied profitiert auf seine Weise von dem Beweglichkeitstraining.

Übungsempfehlungen im Leistungssport Fußball

Exemplarisch für den Leistungs- und Spitzensport im Allgemeinen stelle ich hier einige Übungen für das Fußballtraining vor. Diese Beweglichkeitsübungen sollten nach dem Training durchgeführt werden, da sich während des Trainings die Muskeln in der Regel verkürzen. Spieler, die sehr motiviert sind, können selbstverständlich auch schon zum Aufwärmen ihre Beweglichkeit trainieren oder bei Schmerzen Beweglichkeitsübungen als Vorbereitung auf das anstehende Training integrieren.

 

Den kompletten Artikel mit Bilder und Beschreibungen zu den Übungen, findest du in der neuen TRAINER-Ausgabe

 

Titelfoto: Five-Konzept GmbH & Co. KG


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