Unter Strom

Marktübersicht EMS-Geräte

Elektromyographische Muskelstimulation (EMS) spielt im Alltag von Physiotherapeuten oder Orthopäden schon lange eine wichtige Rolle. Seit einigen Jahren entwickelt die Fitnessindustrie EMS-Geräte für den nicht-therapeutischen Bereich, die immer populärer werden. Höchste Zeit für eine Marktübersicht.

Schon in der Antike nutzten Mediziner Zitterraale, um schmerzhafte Zustände des muskuloskelettalen Systems zu behandeln. Heute ist die Anwendung von Strom vor allem zu therapeutischen Zwecken weit verbreitet: primär in Physiotherapiepraxen, Rehakliniken oder auch Krankenhäusern mit physikalischer Abteilung.
Im Leistungssport hat sich der Einsatz der Muskelstimulation nach Verletzungen, zur Behebung von muskulären Dysbalancen und zur Regeneration überbelasteter Muskelgruppen bewährt. Von diesen Effekten können auch Fitnesskunden profitieren.

Was genau ist EMS?
Unter Elektromyographischer Muskelstimulation (EMS) versteht man die Erregung von Muskelfasern über einen von außen einwirkenden elektrischen Impuls.
Im Falle eines natürlichen elektrischen Impulses gibt das zentrale Nerven-system des Menschen einen Befehl für diesen Impuls an die Nervenbahnen. Dieser Impuls wird über den Rückenmarksnerv und motorischen Nerv und bis zur motorische Endplatte übertragen, von wo aus er den Muskel zur Kontraktion stimuliert.
Bei der EMS werden die Skelettmuskeln nun extern durch Wechselströme zur Kontraktion gebracht. Elektroden, die die Ströme über die Haut in die Muskulatur abgeben werden von außen am Körper platziert. An Armen und Beinen werden sie z.B. von Riemen fixiert, die individuell verstellbar sind, und in die die Elektroden eingearbeitet sind. Für den Rumpf bieten die meisten Hersteller spezielle Mikrofaseranzüge an, die für alle relevanten Muskelgruppen entsprechend Elektroden tragen. Diese brauchen dann – je nach Trainings- oder Therapieziel – nur noch entsprechend mit Strom versorgt zu werden, um gezielt stimuliert und so trainiert zu werden.

Wie funktionieren die Geräte?
Moderne EMS-Geräte regeln die Abgabe von elektrischen Impulsen über computergestützte Trainingsprogramme. Dadurch kann die gezielte Ansteuerung der Muskulatur gewährleistet werden.
Die Impulsfrequenz (in Hertz) spielt eine zentrale Rolle. Sie entspricht der Zahl der Einzelimpulse pro Sekunde. Durch eine Erhöhung der Impulsfrequenz kann so somit die Anzahl der Muskelzuckungen gesteigert werden. Die Höhe der Frequenz richtet sich danach, ob es sich um langsame oder schnelle Muskelfasern handelt.

  • <40 Hz – aerobes Ausdauertraining
  • <70 Hz – anaerobes Ausdauertraining
  • 80 bis 85 Hz – Idealfrequenz für allgemeines Krafttraining
  • bis zu 100 Hz –Schnellkrafttraining

Als Kontraktionsdauer oder auch Impulszeit wird die Zeitspanne bezeichnet, in der die elektrischen Impulse wirken und den Muskel im verkürzten Zustand halten. Die Kontraktionsdauer der Muskeln muss mit steigender Impulsfrequenz verkürzt werden, damit die sogenannte elektrische Ermüdung nicht zu schnell eintritt.
Die Pausendauer ist der Zeitabschnitt während des Trainings, in dem kein Strom fließt. Als ein optimales Impuls- Pausen-Verhältnis (auch ON-OFFRelation) wird eine Relation von 1:5 angesehen. Zu kurze Pausenzeiten führen zu rascher Muskelermüdung und mindern somit den Trainingseffekt.
Die Impulsstärke bestimmt den Grad der Rekrutierung der Nerven und Muskelfasern. Je höher dieser Wert, desto stärker wird der Muskel kontrahiert. Da jedoch der Hautwiderstand und das durchströmte Gewebe die Stärke verändern, können keine fixen, sondern nur individuell individuell angepasste Angaben über die optimale Einstellung gemacht werden. So kontrahiert beispielsweise die Muskulatur bei Menschen mit einem hohen Anteil Unterhautfettgewebe schwächer als bei „normalgewichtigen“ Personen.

Erfolge mit EMS
Auch die Wissenschaft hat die Elektromyographische Muskelstimulation als Forschungsthema entdeckt. In zahlreichen Studien, hauptsächlich an der Sporthochschule Köln und der Universität Bayreuth, konnte eine Vielzahl an positiven Effekten nachgewiesen werden. Neben Schmerzlinderung und Durchblutungsförderung – Effekten, die schon lange aus der Elektrotherapie bekannt sind – wurden weitere Effekte wissenschaftlich überprüft:
Verringerung von Rückenschmerzen, Verbesserung der Maximalkraft und des allgemeinen Körpergefühls. Darüber hinaus wird ein gezielter Einsatz im Gesundheits- und Alterssport erwogen.
Neueste Studien an der Sporthochschule Köln haben ergeben, dass eine Ganzkörper-Elektrostimulation in Kombination mit dynamischer Bewegungsausführung zu einer signifikanten Verbesserung der Bewegungsschnelligkeit führt.

EMS für alle geeignet?
Die aufgeführten Studienergebnisse belegen, dass Training mit EMS-Geräten für eine breite Anwenderklientel in Frage kommen kann – sowohl für Leistungssportler als auch viel beschäftigte Perso- nen, die nur wenig Zeit für ein „herkömmliches“ Training haben sowie Frauen mit Figurproblemen bis hin zu Patienten in der Rehabilitation.
Bei bestimmten Kontraindikationen ist Training mit EMS-Geräten aber absolut ausgeschlossen:
Arteriosklerose in fortgeschrittenem Stadium, arterielle Durchblutungsstörungen, Blutgerinnungsstörungen, Diabetes mellitus, fieberhafte Erkrankungen, akute bakterielle oder virale Entzündungen sowie natürlich das Vorhandensein eines Herzschrittmachers und schwere neurologische Erkrankungen.
Hinzu kommen noch weitere relative Kontraindikationen, bei denen eine Anwendung im betroffenen Körperbereich ausgeschlossen, ein Training der übrigen Körperregionen allerdings erlaubt ist. Hierunter fallen etwa Arthritis, Metallimplantate, offene Hautverletzungen, Sonnenbrände, Thrombosen oder auch Schwangerschaften.

Ganz- oder Teilkörperanwendungen
EMS-Training präsentiert sich als gute Möglichkeit, die Angebotspalette im Fitnessstudio oder auch des Personal Trainers zu erweitern. Da es sich aber um eine Trainingsform handelt, bei der Elektroden angebracht werden und Strom durch den Körper geleitet wird, sind sorgsamer Umgang und sorgfältige Geräteauswahl absolut erforderlich.
Die Hersteller haben ihre EMS-Geräte inzwischen soweit entwickelt, dass durch unterschiedliche Programme und verschiedene Anwendungsmöglichkeiten gezieltes Training für fast alle Zielgruppen möglich ist. Auch in den Bereichen Bedienungskomfort und Design sind die Fortschritte beeindruckend. Grob einteilen lassen sich die EMS-Geräte nach ihren Anwendungsmöglichkeiten in Geräte zur Ganz- oder Teilkörperanwendung.
Einen Überblick bekommt ihr in unserer Marktübersicht, die Ihr Euch im Download-Bereich herunterladen könnt.