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Als Trainer im Europäischen Astronautenzentrum

Als Trainer im Europäischen Astronautenzentrum

Im Europäischen Astronautenzentrum (EAC, European Astronaut Centre) in Köln werden Astronauten fürs All fit gemacht. Nora Petersen ist die erste deutsche Astronautentrainerin. Seit 13 Jahren arbeitet die diplomierte Sportwissenschaftlerin im EAC und hat in dieser Zeit schon einige Astronauten gecoacht. Unsere Autorin Christiane Weseloh hat die gebürtige Freiburgerin Mitte Juni an ihrem Arbeitsplatz im Space Medicine Office im Astronautenzentrum besucht.

Noch zehn Minuten. Ich warte in der Eingangshalle des EAC auf Nora Petersen. Zeit, sich noch etwas umzuschauen. An der Decke hängt ein Modell der Internationalen Raumstation (ISS). Daneben Monitore, die in Echtzeit wiedergeben, was sich gerade im All tut. Man sieht die ISS, wie sie über der Erde zu schweben scheint. In Wirklichkeit ist die aus mehreren Modulen zusammengesetzte Raumstation so groß wie ein Fußballfeld und fliegt mit einer Geschwindigkeit von etwa 28.000 km/h in 400 Kilometern Höhe im Orbit. Dabei umrundet sie jeden Tag 16-mal die Erde. Faszinierend. Eine Menge technischer Geräte und der Hinterkopf eines Astronauten sind im Inneren der Station zu erkennen. Auf einem anderen Monitor sehe ich eine Art Zeitplan mit Einträgen in russischer und englischer Sprache. Dieser Plan zeigt an, welcher der sechs Astronauten an Bord – sie kommen aus den USA, Russland und England -–gerade mit was beschäftigt ist. Man sieht, wer gerade im All frühstückt, Sport macht oder mit einem wissenschaftlichen Experiment befasst ist. „Der Kommandant macht da oben gerade Krafttraining“, erklärt Nora Petersen, die mittlerweile bei mir eingetroffen ist. Für die kommenden drei Stunden nimmt mich die natürlich und sympathisch wirkende junge Frau mit auf einen kleinen Rundgang durch das Trainingszentrum.

Wenig Platz und keinen Halt
Der Astronaut auf dem Bildschirm ist der einzige, den ich heute zu sehen bekomme. Denn wenn sie nicht im All beschäftigt sind, sind Astronauten weltweit unterwegs, häufig in Trainingszentren in Houston/USA oder in der Nähe von Moskau. Sie bereiten sich dort auf künftige Missionen vor oder regenerieren nach abgeschlossenen Weltraumexpeditionen. Da gibt es keinen Leerlauf. „Die begrenzte Zeit ist ein ganz wesentlicher Faktor, mit dem wir auch in der Planung der Sport- und Fitnesseinheiten klarkommen müssen“, sagt Nora Petersen, die mich in eine große Halle mit verschiedenen Nachbildungen von Raummodulen der ISS, wie zum Beispiel das Forschungslabor Columbus, führt. Sehr imposant, finde ich, und beim Blick ins Innere wird klar: Viel Platz gibt es in den einzelnen Abschnitten einer Raumstation nicht. Gedanken wie „Wie soll man hier im All trainieren?“ schießen mir durch den Kopf. In der Schwerelosigkeit verliert „oben und unten“ seine Bedeutung. Alles schwebt, der Mensch genauso wie Utensilien des „all“täglichen Leben, weswegen die entsprechende Klebefixierung von z.B. Schlafsack, Laptop oder Stiften in der Raumstation ein wichtiges Thema ist.

Internationale Trainingsplanung
In übergeordneter Instanz ist die internationale Weltraumorganisation ESA (European Space Agency) mit Sitz in Paris für Fragen zur europäischen Raumfahrt zuständig. Die 38-jährige Nora Petersen ist ESA-Repräsentantin einer internationalen Arbeitsgruppe, die sich Countermeasure Working Group (CMWG) nennt und von der NASA (National Aeronautics and Space Administration) koordiniert wird. Die Mitglieder dieser Gruppe kommen aus Kanada, USA, Russland, Japan und Europa und treffen sich einmal im Jahr, um künftige Missionen zu planen. Die Planung umfasst alle Aspekte, die für den Einsatz im All von Interesse sind, wie Technik, Medizin, Wissenschaft und Sport. Monatlich finden Telekonferenzen statt, um aktuelle Angelegenheiten des Astronautentrainings zu besprechen. Damit wird klar: Sport- und Fitnesstraining für Astronauten wird in erster Linie auf internationaler Ebene geplant. Die Umsetzung erfolgt dann an den einzelnen Trainingszentren. Hier haben die Ansprechpartner vor Ort die Möglichkeit, ihre Anregungen und Zeitvorstellungen an das internationale Planungsgremium weiterzugeben. In Abstimmung werden dann die Trainingstermine für die Astronauten im Einzelnen festgelegt. „Da bleiben dann – wenn wir Glück haben – vor einer Mission etwa vier Stunden pro Woche, die wir in Köln mit den Astronauten trainieren können“, erklärt mir Nora Petersen. Nach der Mission sieht es mit der verfügbaren Zeit für Training etwas besser aus.

Fitness im Astronautenzentrum
Wie werden Astronauten im EAC für ihre Missionen ins All körperlich fit gemacht? Trainiert werde seit 2014 im neuen Gym, erfahre ich. Wir betreten einen ca. 60 qm großen, hellen Trainingsraum mit sechs hochwertigen Ausdauer- und acht Kraftgeräten sowie vielen Kleingeräten wie Hanteln, Bällen, Seilzügen, Rollen und Faszientrainern. „Es sind wenig geführte Geräte dabei, da wir beim Training gezielt die Stabilisatoren wie Schulter-, Arm- und Rückenmuskulatur sowie die Bewegungsqualität fördern wollen“, erläutert Nora Petersen und betont den Fokus auf das funktionale Training. Gerade für Arbeiten im Raumanzug (wiegt 145 kg!) im Außeneinsatz ist eine entsprechend ausgebildete Schulter-Arm-Muskulatur ganz entscheidend, stabilisiert sie doch – gemeinsam mit der unteren Rückenmuskulatur – den Oberkörper. Modernste Modelle verschiedener Sportartikel- und Messinstrumentehersteller (z.B. Life Fitness, WOODWAY, Kistler, zebris Medical, Ergonizer, Contemplas [Software zur 3D-Bewegungsanalyse], Takei, daum electronic) stehen für das Ausdauer- und Krafttraining sowie verschiedene Fitnesstests zur Verfügung. Wenn nicht gerade ein Astronaut trainiert, kann jeder der etwa 100 EAC-Mitarbeiter das Gym nutzen. Spezielle Kooperationen mit Fitnessketten für externes Training gibt es nicht.

Neben dem Gym befindet sich noch ein weiterer Raum (ca. 15 qm), in dem Messungen und Fitnesstests durchgeführt werden, sowie ein kleiner Raum (8 qm) für physiotherapeutische Behandlungen. Duschen und Umkleiden sind auf der gleichen Etage. Nicht zu vergessen ein riesiges, zehn Meter tiefes Tauchbecken mit einer am Grund liegenden Nachbildung eines Raummoduls. Hier werden die Astronauten für Außeneinsätze an der ISS vorbereitet: Sie tauchen in steifen Nassanzügen in die Tiefe und führen dort bis zu acht Stunden verschiedene Arbeiten an der Außenverkleidung des Moduls durch. „Das ist eine Art Vortraining zum EVA-Training in Houston, was gute Ergebnisse erzielt hat“, berichtet Nora Petersen. Die Abkürzung EVA steht für extra-vehicular activity, also Außenbordaktivität. Im Trainingszentrum in Houston wurde eine Nachbildung der Internationalen Raumstation in einem Wasserbecken versenkt. Astronauten führen dort zu Trainingszwecken mit Raumanzug Außenbordarbeiten unter Wasser durch. Da der Raumanzug unter Druck ist, wird jede Bewegung zur Schwerstarbeit.

Den ganzen Artikel findet Ihr in der TRAINER-Ausgabe 2016/6.


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